Die Gemeinschaft

Der ewige Landfriede von 1495 währte nicht ewig und auch der westfälische Friede von 1648 hielt nur bis 1806. Allerdings sind hundertfünfzig Jahre nun auch keine Kleinigkeit, wenn man von den Großstaaten im heiligen römischen Reich deutscher Nation wie Preußen und Österreich absieht, waren die ganzen Kleinstaaten sehr friedlich unterwegs. Die Geschichte führt zwar nach dem dreissigjährigen Krieg einige Kriege auf, jedoch hatten sich die ganzen Kleinstaaten daran nicht beteiligt und wenn heutzutage die längste Friedenszeit kolportiert wird, dann ist das falsch und sei es nur Algerienkrieg (1954), Bürgerkriege in Nordirland und Baskenland, Falklandkrieg (1982) und die Jugoslavienkriege (1991 bis 2001), dann wird gerne die teilweise 300 Jahre Frieden in Teilen Mitteleuropas übersehen. Menschliche Gemeinschaften, die Jahrzehnte oder sogar Jahrhundertelang Frieden halten können, sind für die Geschichtsbücher wohl nicht so interessant. Diese Kleinstaaterei bot Friedrich Schiller den Vorteil von seinem badenwürttembergischen Tyrannen zu flüchten. Eine Gesellschaft, die sich in kleinteilige Gemeinschaften organisiert, scheint weit friedfertiger zu sein als große Nationalstaaten. Willkürliche Grenzen, die noch aus den Zeiten der Kolonialmächte herrühren, führen heute noch zu kriegerischen Konflikten und Auseinandersetzungen. Südtirol mag eine Beispiel dafür sein wie Autonomie letztlich die Serie von 361 Bombenanschlägen beendete. Aber auch je mehr Autonomie den Basken zu gestanden wurde, desto geringer wurde Einfluss der ETA. Die derzeitigen Entwicklungen im Baskenland mit den Parteiverboten sind da allerdings wieder ein Rückschritt. Das eine zentrale Obrigkeit eine Gemeinschaft unterdrückt und sei sie auch in der Minderheit führt in der Regel nicht zu einer friedlichen Lösung. Der dreißigjährige Krieg findet in gewisser Weise heute noch in Nordirland statt, wobei sich die Protestanten von der Obrigkeit aus London gedeckt fühlen und die katholischen Iren meinen für ihre Unabhängigkeit kämpfen zu müssen. Wäre Belfast ein Stadtstaat, der seine Angelegenheiten erstmal selbst regeln müsste und die Stadtorganisation als gemeinsame Sache im Vordergrund stünde, träte der Religionskonflikt vielleciht in den Hintergrund und der Konflikt zwischen Stadt- und Landbevölkerung wäre vielleicht grösser als der zwischen zu den Religionen. Doch würden sich diese unterschiedlichen Interessen wahrscheinlich nicht kriegerisch entladen. Nationalstaatliches Großmachtsinteresse wie Russland auf der Krim hat noch nie irgendetwas für die Gemeinschaft vor Ort geleistet. Russland hat sich zwar dadurch den militärisch wichtigen Hafen gesichert. Die Bevölkerung vor Ort verliert aber die Touristen und hat seitdem wirtschaftliche Probleme. Würden die einzelnen Regionen wirklich autonom für ihr eigenes Wohlergehen bestimmen dürfen, sähen ihre Entscheidungen wohl anders aus. Die Kleinstaaterei schadet nur einer kleinen Elite, die nicht mehr so einfach einen Staat abzocken kann. Größer Verbünde und Einheiten der einzelnen Gemeinschaften würden sich trotzdem entwickeln. Es gäbe möglicherweise nur wechselnde Koalitionen der einzelnen Regionen. Wenn es keine Grenzen mehr gibt, dann spielen diese Staatsgebilde nicht mehr die Rolle, wie die verschiedenen Zölle der Kleinstaaten von vor 300 Jahren. Aufspaltung der europäischen Nationalstaaten in autonome Gemeinschaften unter einem europäischen Staat wäre keine Katastrophe, es würde vielleicht hier und da sogar ein paar Probleme beseitigen.

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