Die Ethik

Wir appellieren ständig an die Vernunft und fordern vernünftige Politik. Dabei vergessen wir, dass es nicht immer eine Frage der rationalen Entscheidung ist, sondern das soziale Handeln auch der Ethik bedarf. Es kann rational scheinbar vernünftig sein, alle Daten zu sammeln und mit der Prämisse der vollständigen Information über Modelle scheinbar mehr Sicherheit herzustellen. Ethisch ist das allerdings falsch, da es die Freiheit des Menschen zurückweist. Selbst wenn sich die Freiheit naturwissenschaftlich als Illusion herausstellen sollte, ändert das nichts an unserer sozialen Verfassung. In einer idealen Weltgesellschaft geniest jeder Mensch, egal wo er sich befindet, die gleichen Rechte. Obwohl wir die Menschenrechte durch die UN-Vollversammlung beschlossen haben, wissen wir, dass diese gleichen Rechte nicht vorliegen. Die Moral ist in diesem Punkt nicht vorhanden. Es werden zwar die Menschenrechte kommuniziert, aber es bleibt bei dieser Kommunikation. Wir missachten diese grundlegende Rechte aller Menschen. [G]
Je weiter Gesetze sich von ethischen Maßstäben entfernen, desto weniger ist ein Recht noch im Sinne einer gemeinsamen Sache. Die Kantsche Aussage „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“  [H]  hat also einen Fehler, weil das allgemeine Gesetz Annahmen des Einzelnen trifft ohne sich in den politischen Diskurs zu begeben. Es bedarf allgemeiner ethischer Grundlagen um dann darauf Gesetze beschließen zu können. Wenn ich die Grundlage setze, dass das Leben eines Bundeswehrsoldaten mehr wert ist, als das Leben desjenigen gegen den die Bundeswehr in den Krieg zieht, dann schätze ich das Leben aller Menschen nicht gleich hoch ein. Aus dieser mangelnden Ethik heraus, ist ein allgemeines Gesetz zur Ausrüstung der Bundeswehr mit Kampfdrohnen kein Problem. Es ist ethisch dennoch falsch. Wenn keiner eine Waffe trägt und niemand es für notwendig erachtet Waffen zu tragen, dann brauche ich auch keine Waffengesetze, weil die Gesellschaft als ganzes eine friedliche Gesellschaft ist. Sicherlich kann eingewendet werden, dass sowas unmöglich ist, dann frage ich mich aber warum die Mayas auf Türen verzichten konnten. Es kommt auf den Gemeinsinn einer Gemeinschaft an und die Tragweite, die die gemeinsamen Beschlüsse haben. In Deutschland wird weit nicht so geschrien wie in slawischen Ländern, das fällt nur niemandem auf, da es ein gesellschaftlicher Grundkonsens ist, das Lautstärke nicht zwangsläufig eine Bedingung für die Wahrnehmung ist. Überhaupt hatte sich Gewalt vor dem eisernen Vorhang gesellschaftlich reduziert und mit umso größerer Überraschung, nachdem sich ja sogar die Verbrecher an geringere Gewalt gewöhnt hatten, traf der Fall der Mauer die brutaleren Raubzüge der Verbrecher hinter dem eisernen Vorhang. Mehr Überwachung löst aber diesen Grundkonflikt nicht. Wenn nicht die gleichen ethischen Grundsätze vorliegen, dann helfen auch Gesetze recht wenig. Eine menschliche Gemeinschaft müsste von sich aus und aus innerer Überzeugung auf Gewalt und Waffen verzichten. Doch hat das bisher keine Gesellschaft auf Dauer geschafft. Mohandas Karamchand Gandhi konnte seinen gewaltfreien Widerstand möglicherweise nur deswegen leisten, weil das britische Empire einen Konsens hatte, welche Gewalt noch zulässig war und welche nicht. Gesetze sind nichts wert, wenn sie ethisch nicht verankert sind und die gemeine Sache darin nicht eine Übereinkunft erzielt hat.

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