Steueroase Deutschland oder die Pandora Papers

 

Journalistische Arbeit ist harte Arbeit, wenn ein Rechercheverbund von über 150 Journalisten sich über 2,9 Terabyte Daten wirft. So wichtig und richtig diese Arbeit ist, mache ich es mir jetzt leicht. Ich schreibe über die Arbeit anderer, ohne irgendeinen Beitrag dazu geleistet zu haben. Nun habe ich kein schlechtes Gewissen, denn sehr viele journalistische Texte dieser Tage werden lediglich darüber zitierend berichten.

Mit Kapitalgesellschaften geht es mir aber schon seit den achziger Jahren des letzten Jahrhunderts so, dass die Konstrukte zum Teil undurchsichtig sind. Den ehrbaren Kaufmann gibt es in der Masse schon seit Ewigkeiten nicht mehr und wem was gehört, ist teilweise äusserst schwer nachzuvollziehen. Wenn die persönlich haftende Gesellschafterin wieder eine Gesellschafterin ist, sprich eine weitere Kapitalgesellschaft, ist es gar nicht so selten, dass sich die Spur in das Ausland verliert. Doch das ist nicht immer der Fall.

So sehr jetzt der Verdacht der Steuerhinterziehung mit den Pandora Papers in den nächten Tagen diskutiert wird, so sehr wird damit auch verdeckt, wie Deutschland selbst längst im Immobilienbereich eine Steueroase ist. Es bedarf keiner Briefkastenfirma im Ausland dazu. Es muss dazu noch nicht mal gegen Gesetze verstossen werden. Die Konstrukte sind vollkommen legal.

Ich möchte hierbei mal ein Standardmodell darlegen, wie es üblich ist und häufig vorkommt. Der eigentliche Eigentümer der Immobilien gründet eine GmbH mit Mindesteinlage. Der GmbH an sich gehören keine Häuser. Das einzige was die GmbH besitzt, sind weitere Gesellschaften. Diese Gesellschaft hat nur einen Zweck: als persönlich haftende Gesellschafterin anderer Gesellschaften zu dienen. Welche Gewinne sie hat oder nicht hat, ist für den Eigentümer absolut steuerbar. Der gleiche Eigentümer ist dann häufig auch Kommanditist einer GmbH&Co KG, der dann die eigentlich Wertgegenstände gehören.

Der einzige Zweck dieser ganzen Konstruktion ist letztlich, dass die Mieter der Immobilien die derjenige besitzt nicht direkt an den Vermieter zahlen, denn das wäre dann Einkommen. Dieses Einkommen hätte den vollen Steuersatz und insofern ist es sinnvoll für den Vermieter sich aus der Dach-GmbH nur das Geld auszahlen zu lassen, was er zum Leben braucht. Da alle Gesellschaften ihm gehören, hat der Besitzer das voll in der Hand. Er bestimmt auch die Gesellschafterverträge und verliert dadurch nur das persönliche Eigentum seiner Immobilien, diese gehören dann nämlich den Gesellschaften. Je nach Steuerberater möglicherweise sogar noch mit einem Kreditvertrag. Mit Geschäftsführergehältern könnte durchaus auch hier und da ein Verlust für die Steuer ausgewiesen werden. Das Konstrukt ist hier vielleicht sogar zu simpel erklärt, aber es gibt eine Idee wie das Spiel läuft.

Entscheidend dabei der Millionär oder Milliardär, welcher dejenige durch den faktischen Immobilienbesitz eigentlich wäre, zahlt an persönlicher Einkommenssteuer nur das, was er sich durch seine GmbH auszahlen lässt. Bei einem Fall den ich selbst mal beim Bundesanzeiger nachgeschaut hatte waren das 6.481,60 Euro im Jahr. Darauf dürfte derjenige so gut wie keine Steuern zahlen. Würden die Mieten direkt an ihn überwiesen, würde er sich dumm und dappig zahlen. Im konkreten Fall weiss ich garantiert, dass nur einer seiner ca. 100 Mieter mehr Miete im Jahr zahlt als den tatsächlichen Auszahlungsbetrag seiner GmbH.

Durch dieses Konstrukt sparen sich Immobilienmillionäre oder Immobilienmilliardäre Millionen bis Milliarden von Steuern. Das ist alles ganz legal und insofern ist Deutschland nicht weniger Steueroase als die Briefkastenfirmen irgendwo im Ausland. Die Steuerhinterziehung besteht nicht nur mit illegalen Mitteln. Sie ist für reiche und sehr reiche Menschen die Norm geworden. Im übrigen kam ich drauf, weil ich ursprünglich dachte mein Vermieter sei gestorben und die Erben hätten das Konstrukt einer Gesellschaft gewählt um das Haus nicht aufteilen zu müssen. Dann kam ich drauf, dass der Vermieter noch quick lebendig ist und das Konstrukt einzig alleine aus Steueroptimierungsgründen existiert.