Das Gute

Werte können unterschiedlich betrachtet werden. Trotz intellektueller Betrachtungen bedeutet das nicht, dass es Gut und Böse nicht gibt. Was derzeit politisch sich ereignet ist eine Abkehr vom Guten. Das Gute ist nicht so schwer zu identifizieren, aber nur wenn es gesetzt ist.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ ist eine solche Setzung. Die Aussage lässt sich nicht letztbegründen. Würdelos ist es aber zweifellos Menschen ertrinken zu lassen. Würdelos ist es Gerettete umherirren zu lassen. Wer behauptet, dass die menschliche Würde in der bundesdeutschen Politik nicht angetastet wäre, der hat ein Wahrnehmungsproblem.

Die Situation ist doch ganz einfach. Wir stellen uns jetzt an den Rand eines Sees und stellen uns folgende Situation vor. In der Mitte des Sees schwimmt einer. Wir stehen alle um den See drum herum. Wir sehen ihn schwimmen. Einer von uns sagt, wenn ich jetzt in den See springe, geht meine Rolex kaputt. Ein anderer von uns sagt, wenn ich jetzt in den See springe, wird meine Kleidung nass. Ein Dritter mag sagen, ich kann nicht schwimmen. Eine Vierte sagt möglicherweise, ich muss auf meine Kinder aufpassen. Ein Nächster sagt, ich muss auf einen Geschäftstermin. Und so weiter und so fort. Jeder einzelne von uns hat Gründe. Letztlich ist der Schwimmer im See ertrunken. Würden wir ernsthaft behaupten, dass das eine gute Situation war. Könnten wir von einer solchen Situation sagen, dass sie gut ist.

Wir wissen durchaus was gut ist. Wir kennen das Gute. Manchmal sind wir nicht fähig, das Gute zu tun, aber wir kennen es. Der See ist das Mittelmeer und die die wir drum rumstehen, beschimpfen noch denjenigen, der sich in den See vorwagt. Das Argument geht dann ungefähr so, dass man weitere Schwimmer veranlassen könnte, wenn du den See betrittst und den Schwimmer rettest. Es muss verhindert werden, dass weitere Schwimmer in den See steigen können, also darfst du oder du den Schwimmer nicht retten.  Seehofer sagt dann, das ist das falsche Signal und die üblichen rechten Jubler stimmen ihm zu. Ist das gut? Ist dass das Gute?

Wir wissen, was gut ist, jeder Mensch weiß das. Es gibt tausend Ausreden, das Gute nicht zu tun. Es ist ein Armutszeugnis für unsere Moral, dass wir das Gute nicht tun wollen. Die Bundesrepublik Deutschland hasst in der Zwischenzeit das Gute. Erzählt mir nicht ihr seid gut, wenn ihr das Gute hasst. Das wird nichts mehr damit, wenn ihr Euch so verhaltet. Das Böse ist trivial. Diese Trivialität des Bösen führt dazu, dass wir uns für gut halten, obwohl wir Böse sind. Wir finden Gründe, warum wir nicht gut sein können. Der Bussinesanzug geht kaputt, wenn ich jetzt in den See springe und Menschenleben rette. Meine Kinder mussten zur Schule, ich war unschuldig daran, hätte doch jemand anderes das Menschenleben retten können. Das war doch nur ein Ausländer, wenn es ein Deutscher gewesen wäre, wäre ich in den See gesprungen.

Wir wissen eigentlich was das Gute ist. Wir wissen es. Wir behaupten wir seien nicht böse. Doch wir sind Böse, in der deutschen Masse sind wir derzeit sogar abgrundtief böse.

Mit Dank an Klaus Stuttmann