Openhardware, Opensource und Kultur

Mir schoss am späten Abend ein Gedanke durch den Kopf. Was braucht man um vom Nullpunkt – sagen wir gestrandet auf dem Mars – um aus den vorhandenen Resourcen unsere Kultur wieder aufbauen zu können. Selbst wenn jemand ein hochspezialisierter Lithograph ist, der Computerchips und Schaltpläne entwerfen kann und wundersameweise diese versteht, die in unseren Smartphones werkeln, so wird ihn dieses Wissen nicht befähigen ein Smartphone zu bauen.

Da stehe ich nun in der Marswüste und das Raumschiff, das mich dahin gebracht hat, mag zerschollen sein,  und bin verloren. Schon die Vorraussetzung um mir ein bisschen Energie zu besorgen wie http://de.wikihow.com/Ein-Solarpanel-selber-bauen können kaum funktionieren.  Sich Titandioxid zu besorgen und es um auf Glasplatten in Hibiskustee zu legen, könnte da schon eher was werden. Die Zutaten sich zu besorgen wie:

  • 2 Glasplatten
  • Titandioxid
  • Zinnoxid
  • reinen Alkohol
  • Grafit (Bleistift)
  • 2 Tropfen Jodidlösung
  • 1 Volt-Ohm-Meter

könnte auf dem Mars allerdings schon schwierig werden. Auf dem Mars wird das schon nichts mit dem Wiederaufbau unserer Kultur bis zum heutigen Tag. Aber Glasplatten fliegen ja auch nicht gerade einem einfach zu und wenn man bedenkt, das heutige Techniken gerade einmal hundert Jahre alt sind  (1914 wurde die erste Fabrik in der Welt in Betrieb genommen die ausschließlich mechanisch gezogenes Flachglas herstellte), dann ist unsere Kultur sehr jung.

2001 ging die Meldung um http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-18370588.html dass es möglich werden soll, Computerchips selbst auszudrucken.

Aber welche Schritte müssten alles erledigt werden vom 7000 Jahre alten Glasofen zum Computerchip zu kommen um dann am Ende einen funktionierenden Computer oder gar ein Smartphone in Händen zu halten?

Wäre das in einem Jahr zu schaffen, selbst wenn man alle Resourcen des Mars zur Verfügung hätte?

Wie müsste ein Handbuch für einen solchen Nachbau ausschauen?

Könnte eine Schulklasse in einem Jahr unsere technische Zivilisation nach einem solchen Handbuch nachbauen und zwar nur mit den Resourcen, die sie selbst sich erschaffen haben?

Sprich der eine Schüler beschafft Sand aus dem Sandkasten und der andere die Kohle irgendwoher um einen Glasofen zu bauen und der dritte sammelt Hibiskusblüten für den Hibiskustee um dann schliesslich Solarzellen zu bauen, die den Strom für einen wie auch immer selbstgebauten Drucker liefert, der dann den Chip für den Computer ausdruckt.

Wie müsste also ein Handbuch, damit Schüler sowas tun könnten ausschauen?

Wer will es schreiben und haben wir überhaupt das offene Wissen dazu um eine solche offene Hardware von Null an bauen zu können?

Oder sind wir so abhängig Einzelwesen, dass wir überhaupt keine Chance mehr haben unsere Kultur wiederaufzubauen, wenn sie den untergehen würde?

Ein dummer Gedanke nicht wahr?

 

2 Replies to “Openhardware, Opensource und Kultur”

  1. Keine Chance. Um so etwas zu schaffen braucht man einen ganzen Planeten voller Menschen, einer oder wenige reichen dazu nicht, es müssen etliche Millionen sein.
    Die Lieferketten in der Elektronik sind lang und kompliziert, viele Vorprodukte sind notwendig um irgendwann zu einem Chip zu kommen. Chips der aktuellen Generation können wir nur herstellen, weil wir in vorhergehenden Technologiegenerationen jeweils die Technik und die Geräte entwickelt haben um den nächsten Schritt machen zu können. Die Chips der 1980er haben gewissermaßen die der 1990er gebaut usw.
    Bestenfalls wird es möglich sein relativ schnell auf einen Stand vom frühen 20. Jahrhundert zu kommen, wenn man halbwegs weiss wie die Dinge funktionieren. Alles was danach kommt bedarf sehr vieler Spezialisierungen: Materialtechnik, Verfahrenstechnik, Optik, Feinmechanik, Chemie, Physik usw.

    • Wenn man den Massstab genau so perfekt ansetzt, dann hast du sicherlich recht. Setzt man aber den Massstab an, dass es funkionieren soll, dann könnte man durch solch ein Experiment vielleicht den Wissensstand konsolidieren und viel darüber lernen, was wir wissen und wie das funktioniert.