Die Würde

Die menschliche Würde ist die neue Bastion nachdem Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit versagt haben. Es scheint nicht mehr viel zu fehlen, dass wir Kriege aufgrund dieses Begriffes wie für die Freiheit beginnen und das ist würdelos. „Die Idee sitzt gleichsam als Brille auf unsrer Nase, und was wir ansehen, sehen wir durch sie. Wir kommen gar nicht auf den Gedanken, sie abzunehmen.“§ 103 Philosophische Untersuchungen Ludwig Wittgenstein Die Würde wurde im deutschen Grundgesetz als erstes vorangestellt, weil es die vorher bereits gesetzlich verankerten Menschenrechte mit umfasst. Die Pervertierung im Dritten Reich zu einer Freiheit für das deutsche Volk, einer brüderlichen Kameradschaft und die Gleichheit aller Deutschen als die besseren Menschen über alle anderen Menschen liessen die Menschenrechte hohl und leer werden und stellten keinen Schutz mehr dar. Die jetzige Verteidigungsministerin missachtet wieder die Würde anderer, da sie wohl der Meinung ist, dass Kampfdrohnen zum Schutze deutscher Soldaten ein legitimes Mittel darstellen würden. Die V2-Rakete und angebliche Wunderwaffe war da nichts anderes. Die Grundgesetzverfasser dachten sich nun durch die vergangenen Gräuel beeindruckt, dass das Wort unantastbar hier etwas leisten könnte. Doch so wie in der Sozialgesetzgebung Menschen in der Zwischenzeit alle sechs Monate zum Objekt der Verwaltung werden, so werden wohl in Zukunft auch Gegner zum Objekt der Drohnen. Eine würdevoller Umgang mit Menschen sieht anders aus. Er ist in der Auseinandersetzung selbstverständlich in der praktischen Politik weit schwieriger umzusetzen und möglicherweise gibt es gar nicht die finanziellen Resourcen im Staat um alle Menschen würdevoll zu behandeln, jedoch dürfte gerade der deutsche Staat nicht darauf verzichten und müsste sich alle Mühe geben, die Würde herzustellen, wo auch immer es geht.

Wenn einem König oder Staatsoberhaupt ein roter Teppich ausgerollt wird und nach dem Protokoll noch eine Ehrengarde bereitgestellt wird, dann sprechen wir von einer würdevollen Behandlung des Gastes. Wenn wir uns das vor Augen halten und uns vorstellen, dass wir jeden Menschen so behandeln müssten, damit wir ihn würdevoll behandeln, dann können wir uns vorstellen, dass diese Würde nur dann zu erreichen wäre, wenn wir alle Könige wären. Leichter ist es sich aber vorzustellen, den König oder das Staatsoberhaupt nur als gleichen Menschen zu betrachten und es wäre nicht würdelos, wenn er lediglich die gleiche Würde erfährt, wie jeder andere Mensch. Den Eitlen, die besser behandelt werden wollen, als alle anderen würde das überhaupt nicht gefallen. Auch sprechen die ganzen Traditionen dagegen. Jedoch sind diese Traditionen bei Staatsoberhäuptern ja aus der Ungleichheit vor der französischen Revolution herrührend. Jeder Parlamentarier hat nicht mehr Würde als jeder Bürger. Die Bonner Schlichtheit mag dem noch Rechnung getragen haben, der Berliner Pomp tut das schon lange nicht mehr. So weicht ein Begriff auf und selbst die Unantastbarkeit wird abgeschliffen. Die Würde des Grundgesetzes hätte auch ein Recht auf Selbstbestimmung und das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit enthalten. Zunächst schafft man ein Gesetz, welches das einschränkt. Dann schränkt der Gesetzgeber es noch weiter ein. Stück für Stück wird daran rumgefingert. Und hier noch ein bisschen ein Wort eingefügt und dort noch ein bisschen angetastet und schließlich hat der bundesdeutsche Gesetzgeber es geschafft, dass ein Mensch, der vom Staat Geld erhält, sich beim Staat abmelden muss, wenn er verreist. Die Begründung ist so ähnlich wie beim doch ach so schützenswerten Bundeswehrsoldaten. Die Entschuldigung für diese Einschränkung durch den Staat ist, dass doch ein Arbeitnehmer das bei seinem Arbeitgeber auch tun müsse. Der Unterschied ist nur, dass eine ist ein freies Vertragsverhältnis – ja möglicherweise ist es nicht so frei, aber es könnte zumindest ein Freiheit unterstellt werden – das andere ist Staatsgewalt. Es ist würdelos und zeigt, dass zumindest in diesem Staat der Würdebegriff verkommt. Jetzt kann ein Erwiderer kommen und sagen, dass es doch in Deutschland noch weit weit besser ist als anderswo. Selbst wenn dem so wäre, was sagt wohl das Wort unantastbar? Die Würde eines jeden Menschen nicht nur des deutschen Menschen ist unantastbar. Doch wir Regierung besteigt schon wieder den nationalistischen Zug und das unter dem Jubel von Henkel und Konsorten, die nur für Deutschland denken, aber nicht für eine gemeinsame Sache.

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